29: Schenke (einem Fremden) Deine Zeit

Julias Erlebnis mit diesem Geschenk

Da ich zwei Kinder habe und selbstständig bin, ist es oft vor allem die Zeit, die mir fehlt. Daher gebe ich sie nicht gern her. Es ist aber auch so, dass ich anscheinend immer sehr freundlich wirke und oft mit Menschen an öffentlichen Plätzen ins Gespräch komme. Oft biege ich das schnell ab und belasse es bei ein paar freundlichen Worten. Aber dieses Mal habe ich mich in dem Moment als die Frau mich auf dem Parkplatz ansprach, als ich meine Einkäufe ins Auto packte, bewusst entschieden, ihr zuzuhören. Und zwar so lange sie wollte.

Und so ignorierte ich, dass meine Tochter durchs Auto tobte, das Handschuhfach auseinander nahm und die Musik so laut drehte, dass sich alle verwundert umschauten. Ich hörte der Frau zu, die von ihrer Krebserkrankung und der ihres Mannes erzählte. Die mir von ihren Söhnen berichtete und wie unterschiedlich ihre Schwigertöchter seien. Und ich hörte, wie sie berichtete, dass ihr Enkel noch mit 18 es liebte, ihre Geschichten von früher zu hören. Es tat ihr offensichtlich gut, einige Dinge mal erzählen zu können. Und dann schenkt ich ihr auch noch eine Idee: Wie wäre es, wenn sie ein Aufnahmegerät mitlaufen ließe, wenn sie ihrem Enkel die Geschichten erzählte. Oder wenn sie vielleicht die Geschichten für sich allein aufnahm. Denn wenn sie einmal nicht mehr wäre – und dessen war sie sich sehr bewusst, sonst hätte ich es nicht gesagt – dann wäre es für die Enkel und Kinder bestimmt auch toll, wenn sie nicht nur ihre Geschichten hätten, sondern auch ihre Stimme dazu.

Und so verlor ich zwar etwas Zeit und hatte später auch angetautes Eis zuhause – das ich dann leider gleich mit meiner Tochter essen musste – aber ich bekam das Gefühl, dass jemand sich meinetwegen gehört gefühlt hatte. Das war toll!


Was hast Du erlebt, als Du diesen Geschenkimpuls umgesetzt hast?

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